02/01/13 - Die Geschichte von Renate Hong

Gestern habe ich im koreanischen Fernsehen die wohl romantischste und tragischste Geschichte in Bezug auf Deutschland und Nordkorea gesehen: Als Studentin verliebt sich Renate in einen Nordkoreaner, der zum Studium nach Jena in die DDR geschickt wurde. Sie heiraten und bekommen zwei Söhne. Die Kinder bekamen sogar koreanische Namen, falls die Familie später zusammen nach Nordkorea gehen sollte. Aber dann wird der Mann wieder zurückbestellt und Renate steht alleine mit den Kindern da, kann keinen Kontakt aufnehmen und auch nicht nach Nordkorea reisen um ihren Ehemann zu besuchen. Ihr Fall wurde weltbekannt und es gibt eine englische Doku mit dem Titel "I hope to see you again", die es bei Myvideo zu sehen gibt.
Daneben gibt es noch einen Artikel im Spiegel von 2007, in der FAZ und auf der Deutschen Welle. In dem letzten Artikel wird das Ausmaß der Rückruf-Aktion und die Folgen für Renates Liebe  geschildert:
350 Studenten und Absolventen mussten über Nacht abreisen. Auch Renate Hongs Ehemann. Seine im 5. Monat schwangere Frau und seinen kleinen Sohn musste er zurücklassen. Renate Hong und eine andere betroffene Freundin bitten das Auswärtige Amt um Hilfe - ohne Erfolg, die Antwort: "Wir können nichts machen, es gibt diplomatische Verwicklungen." Renate Hong findet schließlich heraus, dass Ihr Mann in den Chemiefabriken von Hamhung eingesetzt wird. Drei Jahre lang schreibt Hong Ok Guen ihr noch Briefe und versucht, zu ihr und den Kindern zurückzukehren. Dann herrscht Funkstille.
Nach 46 Jahren, im Jahr 2007, kriegt sie einen Brief von ihm und 2008 besucht sie Nordkorea mit ihren zwei Söhnen. Dort trifft sie tatsächlich ihren Mann, der wieder geheiratet hat, und die Söhne treffen zum ersten Mal ihre Halbschwester. Ein Familienfoto der wiedervereinten Hongs kann man hier sehen. Die Doku, die ich gesehen habe, war sehr aktuell und es enthielt Szenen vom vergangenen September: 2012 schreibt der Mann, dass es ihm gesundheitlich schlecht geht und er gerne Renate und die Söhne noch einmal sehen möchte. Noch bevor alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, kam noch ein Brief aus dem Norden. Aber nicht vom Mann sondern vom Roten Kreuz: Er ist leider verstorben. Trotzdem treten Renate und ihre Söhne die Reise an und sie besuchen das einfache Grab ihres Gemahls. Spätestens da haben meine Freundin, ihre Mutter und ich Tränen geheult. Das war so herzergreifend. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele Beziehungen, die unabhängig von politischen Systemen und Ideologien entstanden aber von diesen zerstört wurden.

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